3. Kursperiode

Violoncello

12.08.2019 - 24.08.2019

Maria Kliegel

Sprachen: Deutsch, Englisch

„La Cellissima“ - der Name verselbständigte sich nach einer einmal so bezeichneten CD - verkörpert eine seltene Mischung von natürlicher Spielfreude, brillanter Technik und beseeltem Ausdruck. Ihrer Bühnenpräsenz und ihrer charismatischen Ausstrahlung kann sich niemand entziehen.
Zehnjährig begann sie das Cellospiel in ihrer Heimatstadt Dillenburg, studierte dann bei A. Molzahn an der Musikhochschule Frankfurt und nach dem Abitur bei Janos Starker an der Indiana University in Bloomington/USA. Erste Preise folgten beim Amerikanischen Hochschulwettbewerb in Chicago, 1975 beim Ersten Deutschen Musikwettbewerb in Bonn und 1981 Grand Prix im „Concours Rostropowitsch Paris“. Rostropowitsch nahm seine Preisträgerin gleich als Solistin mit auf Tourneen durch Frankreich und nach Washington/DC. Beim klugen Janos Starker hatte sie sich eine perfekte und hochkultivierte Technik angeeignet. Die Begegnung mit dem leidenschaftlichen Mstislav Rostropowitsch l1977 ließ sie erkennen, dass diese „Hohe Kunst“ erst dann als Medium zwischen Publikum und Interpret glutvoll wird, wenn er bereit ist, bedingungslos sein Innerstes nach außen zu kehren.
Seitdem gehört Maria Kliegel auf dem internationalen Konzertpodium wie in Funk und Fernsehen zu den faszinierendsten Cellistinnen unserer Zeit: 1992 fulminanter Start in die Tonträger-Branche mit der Aufnahme des 1. Cellokonzerts von Alfred Schnittke - der Komponist nannte sie seine Referenz-Interpretation, das Magazin FonoForum wählte sie zur „CD des Monats“. Beim Label Naxos hat sie auf weit mehr als 30 CDs das gesamte Standardwerk der Celloliteratur eingespielt. Mit weltweit rund einer Million verkaufter Silberscheiben ist „La Cellissima“ international die Nr. 1 im Verkauf des Cellorepertoires auf CD. Dazu kommen Auszeichnungen in der internationalen Fachpresse.
Zeitgenössische Komponisten widmen ihr neue Werke, etwa Harald Banter, Jörg Demus oder Lera Auerbach. In ihrer glühenden Verehrung für Nelson Mandela konnte sie den Komponisten W. Kaiser-Lindemann bewegen, ihr eine „Hommage à Nelson M.“ für Cello und Schlagzeug zu schreiben. Der südafrikanische Präsident hörte von der Uraufführung des Werks in Düsseldorf und von der Erstaufführung am Heritage Day in Kapstadt; er lud die Künstlerin wenig später - ganz gegen seine sonstigen Gepflogenheiten - im November 1997 zu einem Privatkonzert in seine Residenz nach Kapstadt ein. Seit diesem unvergessenen Höhepunkt ihres Lebens versucht sie unermüdlich, mit ihrem Instrument und ihrer Musik Innenwelten von Gefühl und Empfindung anzurühren, in denen Worte versagen und gibt bis heute zahlreiche Benefizkonzerte für den Nelson Mandela Children’s Fund, aber auch für zahlreiche Hilfsprojekte in Südamerika oder für die Kinder-Krebshilfe in Deutschland.
Seit 1986 ist die „Grande Dame des Violoncellospiels“ (Welt am Sonntag) Professorin an der Kölner Musikhochschule und gibt auch in internationalen Meisterkursen ihre Erfahrungen und Kenntnisse weiter. Als großartige überzeugende Künstlerpersönlichkeit ist sie gefragtes Mitglied für internationale Wettbewerbe.
Kammermusik bedeutet für sie seit jeher Erweiterung ihres musikalischen Horizonts. Nach diversen ad-hoc-Ensembles auf Festivals gründete sie deshalb 2001 zusammen mit Ida Bieler (Violine) und Nina Tichman (Klavier) das Xyrion Trio, von Publikum und Fachpresse enthusiastisch gefeiert und bereits mehrfach mit dem Beaux-Arts-Trio verglichen. Von 2007 an wurde ihm die künstlerische Leitung des Festivals „Andernacher Musiktage auf Burg Namedy“ anvertraut.
In ihrem 2006 veröffentlichten multimedialen Buch- und DVD- Projekt „Schott Master Class – Cello: Mit Technik und Fantasie zum künstlerischen Ausdruck“ geht sie ganz neue Wege und erhielt im Jahre 2007 renommierte Preise. Maria Kliegel spielt ein Cello von Carlo Tononi, Venedig, ca. 1730.